Verfahren · Spritzguss · Polypropylen (PP)
PP Spritzguss: Parameter, Schwindung & Werkzeugauslegung
Polypropylen (PP) ist mengenmäßig der meistverarbeitete Thermoplast im Spritzguss. Hohe Schwindung (1,0–2,5 %), niedrige Schmelzeviskosität und sehr gute chemische Beständigkeit machen ihn zum Standard für Verpackung, Haushaltswaren und Automotive-Innenraumteile.
Typische Prozessparameter
| Parameter | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Massetemperatur | 200–270 °C | Niedrig-MFR-Typen oben |
| Werkzeugtemperatur | 20–60 °C | Höher = bessere Oberfläche, mehr Kristallinität |
| Einspritzdruck | 600–1.500 bar | Abhängig von Wandstärke und Fließweg |
| Nachdruck | 30–80 % des Einspritzdrucks | Schwindungskompensation |
| Trocknung | nicht erforderlich | PP nimmt kaum Feuchtigkeit auf (<0,02 %) |
| Linearschwindung | 1,0–2,5 % | GF-Typen: 0,3–0,8 % (anisotrop) |
| Zykluszeit | 15–60 s | Stark wandstärkenabhängig |
Material-Hinweise
PP-H für Steifigkeit, PP-R für Zähigkeit (Rohre, Verpackung), PP-B (Schlagzäh-PP) für Automotive-Stoßfänger. GF-verstärkte Typen (PP-GF30) erreichen 5–7 GPa E-Modul.
Typische Fehlerbilder
- Verzug (anisotrope Schwindung)
- Einfallstellen (zu wenig Nachdruck)
- Silberstreifen (Schmelze überhitzt, Degradation)
- Glanzunterschiede (Werkzeugtemperatur nicht homogen)
Häufige Fragen zu Polypropylen (PP) im Spritzguss
Welche Massetemperatur für PP-Spritzguss?
Standard 220–250 °C. Niedrig-MFR-Typen (für Großteile) am oberen Ende. Über 270 °C beginnt thermische Degradation: MFR-Anstieg, Geruchsbildung, Verfärbung.
Muss PP vor dem Spritzguss getrocknet werden?
Nein. PP ist nicht hygroskopisch (Gleichgewichtsfeuchte <0,02 %). Eine Vorwärmung auf 60–80 °C verbessert allerdings die Materialdosierung und reduziert Kondensatbildung im Trichter.
Wie hoch ist die Schwindung bei PP?
Lineare Schwindung 1,0–2,5 % (homopolymer PP-H). Glasfaserverstärkte Typen 0,3–0,8 %, dabei stark anisotrop (längs/quer Faserorientierung). Schwindung ist 24–48 h fortgesetzt – Endmaß erst nach 48 h.
Welcher Nachdruck ist optimal?
30–80 % des Einspritzdrucks. Höherer Nachdruck reduziert Einfallstellen, erhöht aber Eigenspannungen und Verzug. Nachdruckzeit so lang, bis Anguss eingefroren ist.
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