Kunststoff identifizieren: Dichtetest, Flammenprobe und IR-Spektroskopie
Unbekannte Kunststoffe systematisch zu identifizieren ist eine Kernkompetenz in Recycling, Qualitätskontrolle und Schadensanalyse. Von der einfachen Dichteprüfung im Wasserbad über die Flammenprobe mit Geruchstest bis zur instrumentellen IR-Spektroskopie stehen Methoden unterschiedlicher Genauigkeit und Kosten zur Verfügung.
Methode 1: Dichte-Schwimmtest
Der einfachste Test nutzt die unterschiedliche Dichte verschiedener Kunststoffe. Mit Wasser (ρ = 1,0 g/cm³) und Salzlösungen unterschiedlicher Konzentration können Kunststoffe schnell in Gruppen getrennt werden:
| Flüssigkeit | Dichte | Schwimmt | Sinkt |
|---|---|---|---|
| Wasser | 1,00 g/cm³ | PP, PE-HD, PE-LD | PET, PVC, POM, PA, ABS, PC |
| Ethanol/Wasser 1:1 | 0,92 g/cm³ | PP, PE-LD | PE-HD, fast alle anderen |
| Salzwasser gesättigt | 1,20 g/cm³ | PP, PE, ABS, PS, PA | PET, PVC, POM, PC, PTFE |
Methode 2: Flammenprobe
Die Flammenprobe liefert mit Farbe, Rauch, Geruch und Brennverhalten wichtige Hinweise — aber kein eindeutiges Ergebnis allein. Sicherheitshinweis: Im Freien oder unter Abzug durchführen, PVC-Probe erzeugt HCl-Gas (ätzend).
| Kunststoff | Flammenfarbe | Rauch | Geruch | Verhalten |
|---|---|---|---|---|
| PP | blau-gelb | kaum | Kerzen/Paraffin | tropft, brennt weiter |
| PE | blau-gelb | kaum | Kerzen/Paraffin | tropft, brennt weiter |
| PVC-U | grünlich | weiß, beißend | HCl, scharf | erlischt nach Entfernen |
| PS | gelb, rußend | schwarz | Styrol, aromatisch | brennt weiter |
| ABS | gelb, rußend | schwarz | Styrol+Butadien | brennt weiter |
| PA | blau-gelb | wenig | Wolle/Horn | tropft, verlöscht schwer |
| POM | blau | kaum | Formaldehyd | brennt fast unsichtbar |
| PC | gelb, rußend | schwarz | phenolartig | erlischt, glüht nach |
Methode 3: IR-Spektroskopie (ATR-FTIR)
Die instrumentelle Methode der Wahl: Ein ATR-FTIR-Spektrometer (Attenuated Total Reflection, Fourier Transform Infrared) liefert ein charakteristisches Absorptionsspektrum des Kunststoffs, das mit Spektrenbibliotheken automatisch verglichen wird. Identifikation dauert 30–60 Sekunden, Genauigkeit nahezu 100 % für reine Polymere. Grenzen: Additive, Farbmittel und Füllstoffe können das Spektrum überlagern; Mischungen sind schwerer auswertbar. Handgeräte ab ca. 10.000–30.000 € sind in professionellen Sortieranlagen und Labors Standard.
Weitere Methoden
DSC (Differenzkalorimetrie): Schmelz- und Glasübergangspunkte werden thermisch gemessen.
Identifikation teilkristalliner Thermoplaste eindeutig über Tm; amorphe durch Tg. Gerätekosten: 20.000–80.000 €.
XRF (Röntgenfluoreszenz): Detektiert Elemente — Chlor weist auf PVC hin, Brom auf halogenierte Flammschutzmittel.
Schmelzindex (ISO 1133): Unterscheidet Typen innerhalb einer Polymergruppe (PP-H vs. PP-R,
verschiedene MFR-Klassen).
Weiterführend: Wikipedia: Infrarotspektroskopie · Im Portal: ISO 1183 – Dichte · DSC-Analyse · Sortiercodes