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PHA (Polyhydroxyalkanoate): Bacteriell produziert, meeresabbaubar

Polyhydroxyalkanoate (PHA) sind eine Familie bakteriell produzierter Biopolyester, die als intrazelluläre Energiereserven von über 300 Bakterienarten gespeichert werden. Als einzige Kunststoffe bauen sie unter aeroben und anaeroben Bedingungen in Boden, Süßwasser und Meerwasser vollständig ab. Diese universelle Bioabbaubarkeit macht PHA zur technisch aussichtsreichsten nachhaltigen Kunststoffalternative — wenn die Produktionskosten weiter sinken.

Bakterielle Produktion und Typen

PHA wird durch fermentative Kultivierung von Bakterien (z. B. Cupriavidus necator, Bacillus megaterium) unter Nährstofflimitierung bei gleichzeitigem Kohlenstoffüberschuss produziert. Die Bakterienzellen akkumulieren PHA-Granula bis zu 80 % ihrer Trockenmasse. Nach Fermentation werden die Zellen aufgeschlossen und PHA extrahiert.

PHA-TypSchmelzpunktBruchdehnungEigenschaft
PHB (Polyhydroxybutyrat)175–180 °C3–8 %Steif, spröde, gut kristallin
PHBV (PHB-co-Valerat)100–160 °C10–50 %Flexibler, schlagzäher durch HV-Anteil
PHBH (PHB-co-Hexanoat)120–150 °C100–1000 %Sehr flexibel, Folie
mcl-PHA (mittelkettiger)Amorph>300 %Klebrig, Elastomer-Eigenschaften

Typische Kennwerte PHB/PHBV

Dichte
1,18–1,26
g/cm³ · ISO 1183
Zugfestigkeit PHB
25–40
MPa · ISO 527
E-Modul PHB
1.000–3.500
MPa · ISO 527
Schmelzpunkt Tm
100–180
°C (typabhängig) · DSC
Abbau Boden (ISO)
6–12 Monate
ISO 17556 (aerob, Boden)
Abbau Meerwasser
3–18 Monate
ISO 22766 (Meerwasser)
Preis Rohgranulat
3–8
€/kg (2025, sinkend)
Biobasiert
100
% (aus Biomassekohlenstoff)
Marktvolumen
~100.000
t/Jahr (2025, wachsend)

Anwendungen und Regulatorik

PHA wird zunehmend für marine Anwendungen eingesetzt, wo PLA oder konventionelle Kunststoffe bei Littering problematisch sind: Fischereiausrüstung, Agrarfolien für Küstenbereiche, Einwegartikel in Schifffahrt und Kreuzfahrt. In der Medizintechnik werden resorbierbare PHA-Implantate (Nahtmaterial, Knochenersatz) entwickelt, da PHB dem menschlichen Körper bekannt ist (PHB entsteht als Intermediat des Fettstoffwechsels). Die EU-Einwegkunststoffrichtlinie (SUP 2019/904) hat PHA als alternative Material explizit anerkannt.

Was unterscheidet PHA von PLA in der Praxis?
PHA ist in allen biologischen Kompartimenten abbaubar — Boden, Süßwasser, Meerwasser, Kompost — während PLA nur unter Industriekompost-Bedingungen (58 °C) sicher abbaut. PHA ist teurer (3–8 €/kg vs. 1,5–3 €/kg PLA), hat aber eine deutlich breitere Eigenschaftspalette (von starr bis hochelastisch) je nach Comonomer-Zusammensetzung. Im Verarbeitungsverhalten ist PHA schwieriger als PLA — PHB neigt zu Trübung und langsamer Kristallisation, was Zykluszeiten verlängert.
Ist PHA lebensmitteltauglich?
Ja — PHB/PHBV wurden von der EFSA und FDA für Lebensmittelkontakt bewertet und zugelassen. Die Abbauprodukte (3-Hydroxybuttersäure) sind natürliche Metaboliten im menschlichen Körper. PHA-Beschichtungen auf Papier und Karton werden als Alternative zu PE-Beschichtungen für Lebensmittelverpackungen entwickelt.

Weiterführend: Wikipedia: Polyhydroxyalkanoate · Im Portal: PLA · Monomaterial-Design