PEEK vs PPS: Hochleistungs-Thermoplaste im Vergleich
Polymerstruktur und Synthese
PEEK (Polyetheretherketon) entsteht durch Polykondensation von 4,4'-Difluorbenzophenon mit Hydrochinon in polaren Lösungsmitteln (z.B. Diphenylsulfon) bei Temperaturen über 300 °C. Die Polymerkette enthält wiederkehrende aromatische Einheiten mit Ether- und Ketonbrücken — eine besonders starre, temperaturstabile Struktur.
PPS (Polyphenylensulfid) entsteht aus Dichlorbenzol und Natriumsulfid (Phillips-Verfahren). Die Wiederholeinheit besteht aus para-Phenylengruppen, verbunden durch Schwefelbrücken (−S−). Die einfachere Struktur erlaubt günstigere Synthese, bringt aber etwas weniger thermische und mechanische Performance.
Beide sind teilkristallin mit Kristallinitätsgraden von 30–40 %. Beide sind extrem chemikalienbeständig — gegen die meisten organischen Lösungsmittel und Säuren stabil bis 200 °C.
Kennwerte im Vergleich
Werte gelten für ungefüllte Standard-Typen, sofern nicht anders angegeben:
| Eigenschaft | PEEK | PPS | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Dichte | 1,30 g/cm³ | 1,35 g/cm³ | fast gleich |
| Schmelzpunkt Tm | 335–345 °C | 280–290 °C | PEEK +50 °C |
| Glasübergang Tg | 143–150 °C | 85–95 °C | PEEK weit höher |
| Dauergebrauchstemp. | 250 °C | 200 °C | PEEK +50 °C |
| HDT/A (1,8 MPa) | 160 °C | 110 °C | PEEK höher |
| HDT/A GF30 | 315 °C | 260 °C | beide sehr hoch |
| Zugfestigkeit | 100 MPa | 70–80 MPa | PEEK +30 % |
| E-Modul | 3.600 MPa | 4.000 MPa | PPS leicht höher |
| Charpy gekerbt | 5–7 kJ/m² | 3–5 kJ/m² | PEEK zäher |
| Brennverhalten UL 94 | V-0 (selbstverlöschend) | V-0 (selbstverlöschend) | beide top |
| Wasseraufnahme | 0,1–0,3 % | 0,02–0,05 % | PPS minimal |
| Materialpreis | 70–150 €/kg | 10–25 €/kg | PPS 5× günstiger |
Verarbeitung — beide anspruchsvoll
Beide Materialien erfordern Hochtemperatur-Spritzgussmaschinen:
- PEEK: Massetemperatur 360–410 °C, Werkzeugtemperatur 170–200 °C zwingend für vollständige Kristallisation. Trocknung 150 °C / 3 h auf <0,02 %. Schnecke verschleißfest gepanzert.
- PPS: Massetemperatur 310–340 °C, Werkzeugtemperatur 130–150 °C. Trocknung 150 °C / 3 h. PPS ist abrasiv (bei GF-Typen), benötigt verschleißfeste Werkzeuge.
PPS hat einen deutlich engeren Verarbeitungsfenster als PEEK — die Schmelze degradiert schneller bei Verweilzeit >5 Minuten. Daher Massespeicher klein halten und beim Maschinenstillstand spülen.
Werkzeugkosten sind bei beiden hoch (Heißkanal-Düsen mit elektrischer Heizung bis 350+ °C, Werkzeugstahl mit Hochtemperatur-Härte). Das macht beide Materialien wirtschaftlich nur ab bestimmten Stückzahlen oder bei zwingenden technischen Anforderungen sinnvoll.
Chemische Beständigkeit — die Stärke beider
Beide Materialien sind nahezu universell chemisch beständig — ein Hauptgrund für ihren Einsatz in der chemischen Industrie:
- Säuren: Beide beständig gegen die meisten Säuren bis 200 °C. PEEK ist stabiler gegen konzentrierte Säuren (HCl, H₂SO₄), PPS schlechter beständig gegen oxidierende Säuren (HNO₃, H₂SO₄ >90 %).
- Laugen: Beide gut beständig.
- Lösungsmittel: Beide gegen die meisten organischen Lösungsmittel beständig. PPS ist anfällig gegen aromatische Kohlenwasserstoffe bei hohen Temperaturen.
- Kraftstoffe: Beide einsetzbar in Benzin- und Diesel-Komponenten, sogar Methanol-/Ethanol-Mischkraftstoffe.
- Heißwasser/Dampf: PEEK hat hier den klaren Vorteil — sterilisationsfähig (über 100× Autoklavierung bei 134 °C).
Anwendungen und Auswahl
PEEK dominiert in:
- Medizintechnik (Wirbelsäulen-Implantate, Knochenschrauben, Knieprothesen) — strahlentransparent, biokompatibel
- Luft- und Raumfahrt (Kabelschellen, Leitungshalter, Strukturkomponenten) — gewichtskritisch + Hochtemperatur
- Halbleiterindustrie (Wafer-Carrier, Klemmen) — chemisch sehr beständig, partikelarm
- Öl- und Gasförderung (Dichtungen, Ventile in heißen, korrosiven Medien)
- Hochleistungs-Lager (PEEK-PTFE/MoS₂-modifiziert)
PPS dominiert in:
- Automobil-Elektrik (LED-Reflektoren, Sensoren, Klimaventile, Wasserpumpen)
- Hochtemperatur-Steckverbinder (deutlich günstiger als PEEK)
- Pumpen-Bauteile in chemischer Industrie
- Kohle- und Glasfaser-verstärkten Strukturteilen für moderate Temperaturanwendungen
Die Auswahlentscheidung läuft fast immer auf das Temperatur-Kosten-Verhältnis hinaus: bis 200 °C Dauergebrauch ist PPS Standard, darüber wird PEEK alternativlos. Für Implantate und sterilisierbare Medizingeräte ist PEEK gesetzt.
Häufige Fragen
Weiterführend: Siehe verlinkte Material- und Verfahrensseiten unten.